Interview mit Claudia Baumhöver,
Der Hörverlag
- geboren 1959 in Münster
- Studium der Sozialpädagogik, Forschungsarbeit
- feste freie Mitarbeit im Feuilleton des Münchner Merkurs und anderen überregionalen Zeitschriften
- Presse-Arbeit für Taurus-Film (Kirch-Gruppe) Leitung der Presse-Abteilung von Columbia Tristar Pictures/RCA, dort Wechsel in den Bereich Management und Vertrieb: Aufbau von Columbia-Tochtergesellschaften im Ostblock
- seit 1994 Geschäftsführerin/Verlegerin Der Hörverlag, der inzwischen marktführend auf dem Gebiet der Audiobooks ist.
Frau Baumhöver, wann machten Sie Ihren Schulabschluss?
Mein Fachabitur habe ich mit 17 oder 18 Jahren in Münster gemacht.
Hatten Sie schon während der Schulzeit einen "Traumberuf" - oder
eine Vorstellung, was Sie später einmal machen wollten?
Ich hatte sicher keinen Traumberuf - meine Leidenschaft für die Literatur
und den Film zum Beruf zu machen, das konnte ich mir damals absolut nicht
vorstellen. Ich hatte mich in der Schule schon für den sozialen Zweig entschieden.
Ich dachte damals, ich müsste auf der soliden sozialen Schiene bleiben -
nicht zuletzt wegen meines konservativ-katholischen Backgrounds.
Und deshalb haben Sie Sozialpädagogik studiert?
Ja, die Sozialpädagogik sollte mein "Brotberuf" werden. Ich liebte die Literatur
und war eine begeisterte Cineastin - aber das sollte vorerst mein Freizeitvergnügen
bleiben. Mein Studium konnte mich zwar nie richtig begeistern, aber dennoch
schloss ich es erfolgreich als Diplom-Pädagogin ab - als Teil meiner bürgerlichen
Erziehung sozusagen.
Haben Sie dann auch als Sozialpädagogin gearbeitet?
Nur kurze Zeit. Nach meinem Studium kam ich nach München, um hier am Staatsinstitut
für Frühpädagogik und Familienforschung zu arbeiten. Ich kündigte dort nach
nur einem Jahr und wechselte zum Journalismus. Als feste freie Mitarbeiterin
schrieb ich dann einige Zeit für den Kulturteil des Münchner Merkur und
andere überregionale Zeitungen.
Und wie kam es, dass Sie 1994 Geschäftsführerin des neugegründeten
Hörverlags wurden?
Eine Headhunterin hat mir damals das Angebot gemacht. Zuvor war ich bei
der amerikanischen Film-Firma Columbia Tristar Pictures lange Zeit im Management
und Vertrieb zuständig für den Aufbau von Tochtergesellschaften im Ostblock.
In diesen sechs Jahren habe ich die Basis für das Führen einer Firma gelernt.
Es war keine leichte Aufgabe, das angestaubte Image der Hörbücher durch
ein neues zu ersetzen und Audio-Books auf dem Markt zu etablieren. Aber
unsere junge Truppe hat es mit ihrem Durchhaltungsvermögen und Mut zu unkonventionellen
Ideen geschafft! (Anm.: Jährlich hat der Hörverlag eine durchschnittliche
Wachstumsrate von über 30%!)
Welche Tipps können Sie dem Nachwuchs im Verlag und Buchhandel
mit auf den Weg geben?
Ihr solltet Euch darüber im Klaren sein, dass das Buch und die Literatur
im harten Konkurrenzkampf mit allen anderen Freizeit-Möglichkeiten um die
Zeit und das Geld der Leute stehen. Es reicht nicht mehr aus, die Literatur
zu lieben - man muss mit allen Marketing-Maßnahmen und Argumenten kämpfen.
Und das erfordert viel Energie und Leidenschaft!
Das Interview führte Enzi Magerl


