Interview mit Claudia Baumhöver,
Der Hörverlag

Frau Baumhöver, wann machten Sie Ihren Schulabschluss?
Mein Fachabitur habe ich mit 17 oder 18 Jahren in Münster gemacht.

Hatten Sie schon während der Schulzeit einen "Traumberuf" - oder eine Vorstellung, was Sie später einmal machen wollten?
Ich hatte sicher keinen Traumberuf - meine Leidenschaft für die Literatur und den Film zum Beruf zu machen, das konnte ich mir damals absolut nicht vorstellen. Ich hatte mich in der Schule schon für den sozialen Zweig entschieden. Ich dachte damals, ich müsste auf der soliden sozialen Schiene bleiben - nicht zuletzt wegen meines konservativ-katholischen Backgrounds.

Und deshalb haben Sie Sozialpädagogik studiert?
Ja, die Sozialpädagogik sollte mein "Brotberuf" werden. Ich liebte die Literatur und war eine begeisterte Cineastin - aber das sollte vorerst mein Freizeitvergnügen bleiben. Mein Studium konnte mich zwar nie richtig begeistern, aber dennoch schloss ich es erfolgreich als Diplom-Pädagogin ab - als Teil meiner bürgerlichen Erziehung sozusagen.

Haben Sie dann auch als Sozialpädagogin gearbeitet?
Nur kurze Zeit. Nach meinem Studium kam ich nach München, um hier am Staatsinstitut für Frühpädagogik und Familienforschung zu arbeiten. Ich kündigte dort nach nur einem Jahr und wechselte zum Journalismus. Als feste freie Mitarbeiterin schrieb ich dann einige Zeit für den Kulturteil des Münchner Merkur und andere überregionale Zeitungen.

Und wie kam es, dass Sie 1994 Geschäftsführerin des neugegründeten Hörverlags wurden?
Eine Headhunterin hat mir damals das Angebot gemacht. Zuvor war ich bei der amerikanischen Film-Firma Columbia Tristar Pictures lange Zeit im Management und Vertrieb zuständig für den Aufbau von Tochtergesellschaften im Ostblock. In diesen sechs Jahren habe ich die Basis für das Führen einer Firma gelernt. Es war keine leichte Aufgabe, das angestaubte Image der Hörbücher durch ein neues zu ersetzen und Audio-Books auf dem Markt zu etablieren. Aber unsere junge Truppe hat es mit ihrem Durchhaltungsvermögen und Mut zu unkonventionellen Ideen geschafft! (Anm.: Jährlich hat der Hörverlag eine durchschnittliche Wachstumsrate von über 30%!)

Welche Tipps können Sie dem Nachwuchs im Verlag und Buchhandel mit auf den Weg geben?
Ihr solltet Euch darüber im Klaren sein, dass das Buch und die Literatur im harten Konkurrenzkampf mit allen anderen Freizeit-Möglichkeiten um die Zeit und das Geld der Leute stehen. Es reicht nicht mehr aus, die Literatur zu lieben - man muss mit allen Marketing-Maßnahmen und Argumenten kämpfen. Und das erfordert viel Energie und Leidenschaft!

Das Interview führte Enzi Magerl

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