Interview mit Helmuth Baur-Callwey,
Callwey Verlag

Herr Baur-Callwey, wieso haben Sie sich nach der Schule für eine Ausbildung entschieden?
Ich hatte eine eher verkorkste Schulzeit. Die trockene Theorie lag mir nie und das Abitur stand für mich in weiter Ferne. Es war klar, dass ich vielmehr praktisch veranlagt war. Doch völlig frei war ich in meiner Entscheidung nicht - schließlich sollte ich später einmal die familieneigene Druckerei Kastner & Callwey führen.

Und für was haben Sie sich schließlich entschieden?
Zur Diskussion stand für mich eine Schreinerlehre - das hätte auch einen Bezug zu den Verlags-Themen Bauen, Architektur und Handwerk gehabt. Aber die Argumente für eine Setzer-Lehre in der eigenen Druckerei überwogen natürlich - so konnte ich das Gewerbe von der Pike auf lernen.

Nun leiten Sie aber den Verlag und nicht die Druckerei Kastner & Callwey...
Es war so vorgesehen, dass meine ältere Schwester den Verlag übernehmen würde und ich die Druckerei, wie sich Eltern das so ausdenken. Doch während ihrer Lehre als Buchhändlerin im Hanser Verlag lernte sie ihren späteren Ehemann kennen - Roland Ulmer, den heutigen Verleger des gleichnamigen Verlages.

Sind Sie nach Ihrer Ausbildung dann gleich in den Verlag miteingestiegen?
Nein, als ich meine Setzer-Lehre beendet hatte, studierte ich sechs Semester an der Akademie für das Graphische Gewerbe (die es in dieser Form heute nicht mehr gibt; vergleichbar mit dem Polytechnikum). Der Studiengang war speziell ausgerichtet auf die Betriebsleitung einer Druckerei. Im Anschluss daran habe ich zwei Volontariate im Propyläenverlag und bei S. Fischer absolviert. Erleichtert hat mir für den Einstieg in den Verlag die Kenntnis über Satz, Druck und Papier, vor allem aber meine Leidenschaft für Typografie und Gestaltung. Die Gestaltung unzähliger Bücher und Schutzumschläge hat sicher dazu beigetragen, dem Verlag "ein Gesicht" zu geben.

Haben Sie vielleicht ein, zwei Tipps für den Verlags-Nachwuchs?
Es ist auf alle Fälle von großem Vorteil, vor dem Studium eine Ausbildung zu machen. Das ist sicher keine verlorene Zeit - man lernt eine Menge über sich selbst, seine Stärken und Schwächen. Für die Zukunft ist es wichtig, seine Veranlagungen zu erkennen und auszubauen. Ein Studium nach einer Lehre beginnt man mit völlig anderen Zielsetzungen. Neben den fachlichen Kenntnissen lernt man auch, sich in einer Gemeinschaft zu behaupten und durchzusetzen. Wichtig ist, auf einem bestimmten Gebiet Kompetenzen zu erwerben. Für mich war es das Herstellerisch-Gestalterische, für jemand anderen mögen es EDV-Kenntnisse sein oder verkaufen zu können. Mit so einem Pfund kann man wuchern.

Das Interview führte Enzi Magerl

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